Fraunhofer goes viral – sort of
Das Dickschiff der deutschen Forschung, die ehrwürdige Fraunhofer Gesellschaft, probiert in der Kommunikation mal was neues. Viral soll es sein. So jedenfalls kündigen es die Kollegen der Fraunhofer Pressestelle heute via Twitter an.
Ein Youtube Clip mit Außerirdischen (hey, Aliens gehen immer und überall: siehe die aktuelle Saturn Kampagne) soll es richten.
Dabei geht aber handwerklich leider einiges schief:
Zwar versprüht der Kurzfilm mit seiner charmant an die Science Fiction Ästhetik der 50er Jahre angelehnten Produktionsdesign durchaus einen gewissen Charme – doch funktioniert die Story leider nicht. Zu wenig überzeugend ist die vermeintliche Überlegenheit der menschlichen Technologie dargestellt. Eine schematische Darstellungen des ISS-Columus-Labors, zwei Fotos zur Illustration der Hauptnachricht “Angewandte Forschung ist eine tolle Sache” – äh, hallo?
Der Infotext zum Clip auf Youtube lautet:
Mit Fraunhofer gegen die extraterrestrische Bedrohung. Die Aliens werden atomisiert, schneller als sie “Nein” sagen können. Warum? Weil wir die innovativeren Entwicklungen haben. Galaktisch praktisch eben, die Fraunhofer-Forschung. Schau doch mal vorbei auf www.fraunhofer.de.
Auch hier gibt es Probleme: Angenommen, das Video, respektive der Link dorthin, würde sich viral verbreiten. Kaum ein Youtube-Nutzer macht sich die Mühe, Begleittexte zu Videos zu lesen. Täte er es doch, würde er erfahren, dass der Clip für die Forschung der Fraunhofer Gesellschaft werben soll. Im Clip findet sich nämlich kein Hinweis darauf. Kein Logo, kein Text, nichts. Es würde übrigens ungemein helfen, vor den URL noch ein http:// zu stellen – dann wird der Link immerhin anklickbar.
Macht sich der Nutzer also die Mühe, die Adresse per Copy&Paste in ein neues Browserfenster zu kopieren, landet er auf der Startseite der Fraunhofer Gesellschaft – und steht erst einmal allein gelassen da. Kein Hinweis auf das Video, weitere Informationen, geschweige denn eine Landing-Page.
Stellen wir uns einen Moment vor, das Video würde eingebunden – auf Blogs, in Social Networks, etc. – die Hürden, die der Betrachter bezwingen muss, um den Clip überhaupt mit der Fraunhofer Gesellschaft in Verbindung zu bringen, sind schlicht unüberwindbar.
Schade, denn so droht eine gute Idee zu scheitern. Denn dass auch die Wissenschaftskommunikation die Möglichkeiten der Web 2.0 / Social Media Kommunikation für sich nutzen sollte, um ihre Anliegen zu transportieren, steht außer Frage. Oder?
